Es reicht!

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oder: Wenn ein weiteres erfolgreiches Jugendkulturprojekt ohne Förderung dasteht!

Das JugendtheaterBüro Berlin war mit einer seiner Produktionen unter den acht ausgewählten Stücken des diesjährigen Theatertreffens der Jugend, eine weitere Produktion wurde im Rahmen der Berliner Klubszene aufgeführt, das Projekt ist nominiert für bundesweite Jugend- und Kulturpreise, an der TU Berlin fand kürzlich eine Fachtagung zum erfolgreichen Ansatz dieses selbst organisierten und –verwalteten Jugendtheaterbetriebes statt und doch: KEINE weitere Förderung!

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Drei Jahre lang haben wir erfolgreich mit Jugendlichen berlinweit gearbeitet, großartige Produktionen in jugendlichen Regiekollektiven entworfen und auf die Bühnen gebracht, das politische Leben in der Hauptstadt mitgestaltet, uns eingebracht und Themen angestoßen. Wir waren überall präsent. Auf der Straße, in den Kiezen, aber auch auf den großen Bühnen. Im Oktober 2011 organisierten die Jugendlichen des JugendtheaterBüro Berlin das dreitägige Jugendtheaterfestival FESTIWALLA im Haus der Kulturen der Welt. Es kamen über 4000 Besucher_innen, vorwiegend Jugendliche aus den so genannten Brennpunktbezirken – Moabit, Wedding, Neukölln. Eine Zielgruppe, die dem HKW sonst eher verschlossen bleibt! Und doch: KEINE weitere Förderung!

Wir haben gekämpft um ZUGANG. Ein Kampf für mehr Einbezug der Jugend, für mehr Zukunftschancen für Jugendliche, für mehr bespielbare Räume, für mehr Selbstrepräsentationsmöglichkeiten. Viele haben dieses Modellprojekt für sich eingenommen. Wir haben Fachvorträge gehalten, wurden besucht, beforscht, in die Presse getragen. Die Fachwelt spricht über uns und DOCH: KEINE weitere Förderung!

Das Projekt konnte auch bisher nur durch ein hohes ehrenamtliches Engagement der Mitarbeiter_innen und Jugendliche in dieser Form bestehen. Wie fast alle Projekte und kleinen Träger haben wir stetig um unsere Existenz gekämpft, aber nun sind wir an einem Punkt, an welchem es so nicht weitergeht. Trotz dem hohen Grad an Anerkennung und Öffentlichkeit, welche wir in den letzten Jahren geschaffen haben, stehen wir derzeit ohne nachhaltige Förderung. Weder Land oder Bund, noch zahlreich angefragte Stiftungen haben uns eine Unterstützung zugesagt. Die Liste der Absagen hingegen wächst und wächst.

Wie kann das sein?
Wie kann ein so professionell arbeitender Betrieb, der maßgeblich von Jugendlichen – der neuen Generation – geleitet wird, der zahlreiche namhafte Kooperationspartner_innen und Fürsprecher_innen hat, ohne eine Förderung dastehen?

„Von jedem kriegen wir zu hören, wie toll wir sind, wie gut das ist, was wir machen… Aber sobald es darum geht, dass wir auch in Zukunft bestehen bleiben, ZEIGT IHR UNS DIE KALTE SCHULTER. Auf diese Doppelmoral können wir gut verzichten! Das ist genauso wie die immerwährenden Sprüche wie: „Jugend ist unsere Zukunft…!“ Was ist mit unserer Zukunft wenn ihr uns keine Räume gebt? Große Fresse und nichts dahinter. Alles nur blabla.“

Bisher hatten wir bis zu drei Festangestellte, 18 Honorarmitarbeiter_innen in den unterschiedlichen Betriebsbereichen (Technik, Werkstatt, Film, Theater, Büro), viele viele freiwillige Helfer_innen und bis dato 60 engagierte und kontinuierlich teilnehmende Jugendliche.
Wo sollen diese unterkommen?
Wie können wir uns die einzige von Jugendlichen selbst geleitete und bespielte Bühne in Berlin erhalten?

Überall wird gekürzt und jeder kämpft für sich. Das wollen wir nicht weiter zulassen! Wir rufen all diejenigen Vereine, Träger, Jugendeinrichtungen, Kulturprojekte und Betroffenen auf, gemeinsam mit uns gegen diesen um sich greifenden Kulturinfarkt anzugehen. Wir brauchen keine Umverteilung der Mittel, sondern eine (auch finanzielle) Anerkennung für die unglaubliche Arbeit, die wir leisten. Es darf nicht an der kulturellen Bildung gespart werden!! Und wenn wir über ZUGANG reden, dann muss es auch ZUGANG zu einer soliden Finanzierung geben!

„Es reicht! Wir haben die Schnauze voll! Alle beschweren sich, dass „wir Kanaken“ nur auf der Straße rumhängen aber was sollen wir denn tun, wenn ihr uns unsere Räume wegnehmt?“

Das FESTIWALLA 2012 wird stattfinden, aber wir im JugendtheaterBüro Berlin sind nicht mehr bereit immer mehr einzusparen und dafür immer noch mehr zu arbeiten. Wir und die Jugendlichen haben einen hohen Anspruch an die künstlerische Arbeit, die wir leisten und das hat – wie auf jeder anderen Bühne auch – seinen Preis. Wenn die Stadt ein Interesse an diesem herausragenden Projekt hat, dann soll sie sich auf (finanziell) dafür verantwortlich fühlen!

„Es reicht! Wir lassen uns nicht mehr alles gefallen! Unsere Vorbilder sind London, Paris und Tahrir – fangt jetzt an uns eine Chance zu geben, sonst ist es zu spät.“

Stellvertretend für alle Brennpunkte rufen wir auf zur gegenseitigen Solidarität. Gemäß dem Motto des diesjährigen FESTIWALLA “echte DEMO!KRATIE wagen“ sollten wir auch diejenigen Vereine, Träger und Institutionen wertschätzen, die sich für echte Demokratie und Partizipation von Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund einsetzen.

TERMINE:

01.09. um 15:00
Ort: Neptunbrunnen/ Rotes Rathaus.
Demonstration: Jugend verschwindet!
Mehr Infos unter: http://www.grenzen-los.eu/jugend-verschwindet/

Unser Protest im Rahmen der Sprachwoche

5.9., 18 – 20 Uhr
Ort: JugendtheaterBüro Berlin, Wiclefstr. 32, Moabit
“Was echte DEMO!KRATIE wagen?! Was Sprachwoche?!”
JugendtheaterBüro Berlin der Initiative Grenzen-Los!e.V.,
Szenische Lesung:  Jugendliche finden ihre eigene Sprache und Ausdrucksformen über Fragen von Autonomie, Mitbestimmung, Zugangsbarrieren, Protest und Veränderung.

6.9., 18 – 20 Uhr
Ort: JugendtheaterBüro Berlin, Wiclefstr. 32, Moabit
“echte DEMO!KRATIE wagen”
Lesung und Diskussion: Kultur, Krise und Widerstand in Zeiten von Eurobonds und Blockuppy – springt der Funken endlich auch in Deutschland über? Das JugendtheaterBüro Berlin lädt zum Gespräch nach Moabit ein. Mit dabei sind Ergün Mutlu, Ahmed Shah und Zülfukar Cetin.