In Erinnerung an Juliano Mer-Khamis

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Wir trauern um Juliano Mer-Khamis. Er war für uns ein Freund, Mitkämpfer und Inspiration für unsere eigene Theaterarbeit mit jungen Menschen aus den ‚Brennpunkten’ Berlins.

Lieber Jules: Du warst unsere Inspiration und wir verdanken Dir viel!

Es war 2005 und wir saßen in einen Kreis aus Jugendlichen in einer Freizeiteinrichtung in Berlin Moabit, versammelt um einen großen Mann mit prächtigem Haare und viel Energie, der auf English über seine Arbeit sprach. Ich versuchte seine Erzählungen ins Deutsche zu übersetzen. Die Jugendlichen waren unkonzentriert, Handys klingelten, Gespräche wurden geführt. Der Mann holte plötzlich ein Stift aus seiner Tasche und stopfte damit etwas in seinen Hals. Überrascht starrten ihn jetzt alle an, aber noch erstaunter waren wir als er weiter sprach – mit der Stimme eines Schimpansen! Die Handygespräche würden abgebrochen. Ein Lächeln erschien auf den Gesichtern der Jugendlichen. Dann klingelte sein Handy und als er ran ging und seinen Gesprächspartner mit der Affenstimme ansprach, konnten unsere Jugendlichen ihr Gelächter nicht mehr zurückhalten. Sie freuten sich wie kleine Kinder bei dem Auftritt eines Straßengauklers.

Das war die erste von vielen unserer Begegnungen mit Juliano Mer-Khamis, dem Gründer des Freedom Theater von Jenin, Westjordanland, der am 4. April 2011 ermordet wurde.

Juliano oder Jules, wie viele ihn nannten, wollte über alle Barrieren hinweg kommunizieren. Wir verdanken ihm viel.

Jules’ Dokumentarfilm ‚Arna’s Kinder’ bewegte uns und unsere Jugendlichen und die Geschichte seiner Mutter und des Freedom Theaters inspirierte uns zu unserem Theaterstück „DER SPRUNG“, welches die Jugendlichen des JugendtheaterBüros Berlin inszenierten und das von tausenden Schüler_innen und jungen Menschen in und außerhalb Berlin gesehen wurde.

Jules’ Vision von einer kulturellen Intifada – Eine Revolution von Unten durch Theater, Film und neuen Medien – die wir live während Begegnungen und Workshops im  Flüchtlingslager von Jenin erleben konnten, bewegt uns nachhaltig und trägt immer wieder zu unserer Arbeit im Rahmen der Initiative Grenzen-Los als Verein für Emanzipatorische Bildung und Kulturelle Aktion bei.

Jules’ Theater und seine Schauspielschule dienten als Inspiration für die Gründung des JugendtheaterBüros Berlin  und der Entwicklung des Brennpunkt Jugendtheaterfestivals :::ZUGANG::: KulTür auf!::: , welches 2011 im Haus der Kulturen der Welt stattfinden wird. Dieses Festival möchten wir jetzt Jules widmen.

Wir werden Dich sehr vermissen Jules. Wir werden Dich fest in unseren Herzen halten und alles unterstützen das Du mit so viel Leben gefüllt und wofür du gekämpft hast: Deine Jugendlichen und Mitarbeiter_innen, dein Theater und insbesondere deine Vision eines veränderten Palästinas.

In bleibender Erinnerung,

die Jugendlichen und das gesamte Team des JugendtheaterBüros Berlin

www.jugendtheaterbuero.de

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Berlin, April 2011

We mourn the death of Juliano Mer-Khamis

To us he was a friend, a comrade in struggle and an inspiration for own theater work with young people from socially deprived areas in Berlin.

Dear Jules, you were and are an inspiration to us. We have so much to thank you for!

It was sometime back in 2005. We were sitting with our kids in a youth centre in Berlin- Moabit gathered around a man of big stature with a lot of hair and energy who was telling us in English about his work. I was responsible for the German translation. The kids were not really paying attention. Mobile phones rang, and were answered. The man suddenly took a pen out of his pocket and stuffed something with it down his throat. We all looked at him rather surprised, but were even more surprised as he spoke again, but now with the voice of a chimpanzee! The phone calls were abruptly ended. Slowly, smiles appeared on the kids faces. Then his mobile rang, and when he answered it and took the whole call without changing his monkey voice the kids couldn’t hold back their laughter anymore. They were as happy as small children watching a circus act.

That was the first of our many encounters with Juliano Mer-Khamis, the founder of the Freedom Theater in Jenin (occupied West Bank), who was sadly killed on 4. April 2011.
Juliano or Jules, as many called him, wanted to communicate over all barriers. We owe him a lot.

Jules’ documentary, Arna’s Children, touched us and our kids. The story of his mother and the Freedom Theater inspired our work around the play ‘The Jump’ that the Youth Theater Office Berlin staged in 2008 and that was watched by thousands of school kids in Berlin and elsewhere in Germany.

Jules’ Vision of a ‘Cultural Intifada’ – a revolution from below using theater, film and the new media – that we experienced live at meetings and workshops in Jenin refugee camp, moved us deeply and still aids our work in the Initiative Grenzen-Los as an association for emancipatory education and cultural action.

Jules’ Theatre and his Actor’s School lent inspiration for the founding of the Youth Theater Office Berlin and to the forthcoming ‘FESTIWALLA’ Youth Theater Festival that will take place in October 2011 in the Haus der Kulturen der Welt in Berlin. We would like to dedicate our festival to the memory of Jules.

We will miss you very much Jules. We will hold you close to our hearts and will support everything that you filled with life, and that you fought for: your kids and your colleagues, your theater and especially your vision of change for Palestine.

We will always remember you,
we, the youth and the whole team of the Youth Theater Office Berlin.

www.jugendtheaterbuero.de