SALĀM GÜNTHER!

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“Was inspiriert zu Widerstand?”, fragen Jugendliche aus Moabit.

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Entstehung des Stücks

“Was inspiriert zu Widerstand?”, fragen Jugendliche aus Moabit. Das JugendtheaterBüro Berlin sitzt gleich neben der Reformationskirche in der Wiclefstraße. Tagtäglich gehen die Jugendlichen hier ein und aus, immer vorbei an einer kleinen Gedenktafel, die an Günther Dehn erinnert, der 1911 bis 1931 Pfarrer an der Reformationskirche war. Auch der “rote Pfarrer” genannt, war er Mitglied der Bekennenden Kirche und wurde aufgrund seiner anti-militaristischen Haltung von den Nazis verfolgt. Darüber hinaus war er eine wichtige Person für Moabiter Jugendliche seiner Zeit.

Plötzlich scheint dieser Mann, der vor hundert Jahren in der benachbarten Kirche aktiv war, nah, viel verbindet ihn mit den Jugendlichen des JTBs. Gemeinsam mit dem Theatermacher Ahmed Shah, der Choreographin Ulrike Flämig und dem Videokünstler Felipe Frozza machen sie sich auf die Suche nach der Geschichte von Moabit, dem roten Pfarrer und nach ihrer eigenen Geschichte als muslimische Jugendliche in Moabit, denen es wichtig ist sich politisch zu engagieren.

Warum machen die Jugendlichen dieses Theaterstück? Für Aldan ist es wichtig zu sehen, wie Glaube Kraft geben kann um Widerstand zu leisten, sei es der christliche oder muslimische Glaube. Elwin betont: “Ich habe gehört hier geht’s gegen Nazis, und gegen Nazis bin ich immer dabei!”

So verschieden die Motive auch sein mögen: “Salām Günther!” ist ein Theaterprojekt, das verschiedene Jugendliche; Muslime, Christen und Atheisten, das Moabit von damals und heute im Widerstand vereint.

Szene Salam Günther

Salām Günther! – der Film

Der Dokumentarfilm “Salam Günther! – der Film” zeigt Ausschnitte aus Probenprozess und Premiere der Theaterproduktion “Salam Günther!”, die 2013 in der Reformationskirche Moabit aufgeführt wurde und als Eröffnungsstück beim Festiwalla 2013 von 300 jungen Zuschauern gefeiert wurde.
Der Dokumentarfilmer Felipe Frozza gibt mit der Kamera sensible Einblicke in die Entstehung des Stücks und bündelt die Höhepunkte der Aufführung im Film.
Frozza vollzieht mit den Jugendlichen die Annäherung an die fremde Location und arbeitet sich filmisch vor bis ins Herzstück des Ortes und der Produktion. Während Proben meist im der Kirche als Site – Specific – Location stattfinden und die Aufführung auch dort performt wird, nimmt die Kamera den Zuschauer mit durch die Straßen von Moabit. Die Filmaufnahmen der Wege durch die Stadt holen das Aussen ins Innen. Die Auseinandersetzung der Schauspieler mit den historischen Texten holt das Damals ins Heute.
Collageartig wird der Film wird immer wieder durchzogen von eindrückliche Videoaufnahmen, die der brasilianische Videokünstler Felipe Frozza gemeinsam mit den jugendlichen Schauspielern des Theater X eigens für die Theaterproduktion entwickelte: Die überlebensgrossen Projektionen vergegenwärtigen eine zweite Zeit- und Raumebene im Stück. Während die Zuschauer zwei Jugendliche live kennenlernen, die von einer muslimischen Antirassismusdemo in die Kirche flüchten, repräsentieren die Videoeinspielungen den Belagerungszustand der Kirche von Polizei und Medien als Druck von aussen.
Klischees von Antimuslimischem Rassismus werden in intelligenten Karrikaturen zitiert und ad absurdum geführt.

von & mit: Aysima Ergün, Dalia El-Heit, Elwin Chalabianlou, Mohamed Rmeih, Saira Amjad, Aldan Sabotic, Passar Salam, Mesut Aydin, Bora Sarıkaya, Hassan Allush, Büsra Atmaca, Annika Füser, Ahmed Shah, Ulrike Flämig, Felipe Frozza, Anna Sonntag, Christian Jung, Alex Hüther, Meike Migaud