Selbstverständnis Grenzen-Los!

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Die Initiative Grenzen-Los! ist ein Verein zur Förderung der politischen Bildungs- und soziokulturellen Stadtteilarbeit. Wir praktizieren einen (über-)regionalen und internationalen künstlerischen Austausch mit dem Ziel, insbesondere junge Menschen und junge Erwachsene zur politischen Selbstbestimmung zu befähigen, sie zu gesellschaftlicher Mitverantwortung und zu sozialem und politischem Engagement anzuregen und hinzuführen und sie dadurch in ihrem künstlerisch-kreativen Ausdruck zu bestärken. Die Initiative Grenzen-Los! vertritt eine kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Prozessen mittels Bildung und Selbstemanzipation und tritt ein für gleiche Rechte und die gezielte Förderung von Benachteiligten in der Gesellschaft. Wir fördern durch unsere unabhängige und überparteiliche Arbeit den internationale Austausch und wenden uns gegen jede Art von Vorurteilen, gegen rassistische, sexistische und soziale Diskriminierung und Ausbeutung, als auch die Verletzung von Menschenrechten.

Hier gibt es unsere Satzung, das Mitgliedsformular und ein Faltblatt zum Download (PDF).

Kernaktivitäten

Unsere Kernaktivitäten sind die politische Bildungsarbeit und künstlerisch-kulturelle Stadtteilarbeit mit Jugendlichen aus sozial schwachem und/oder Migrationshintergrund; die wissenschaftliche Forschung zu Formen des Rassismus; Vortragstätigkeiten und die Organisation von (Diskussions-)Veranstaltungen in der Erwachsenenbildung sowie künstlerische Projekte im theatralen, musikalischen und filmischen Bereich.

Ansätze

Zwei grundlegende Eckpfeiler unserer Arbeit sind die lokale wie auch internationale Vernetzung mit Initiativen ähnlicher Zielsetzung und der Bezug auf jeweils aktuelle politische und gesellschaftliche Fragestellungen. Unser Ansatz ist u.a. von der Idee der Community Arts inspiriert. Als KünstlerInnen arbeiten wir nicht als Fremde, sondern als Teil der Community in der Community. Die künstlerische Produktion soll nicht als Fremdköper im Stadtteil oder als Maßnahme zu Verschönerung des sonst öden Wohnumfelds wahrgenommen werden, sondern als eine Verlagerung des künstlerischen Handwerks vom Kunstbetrieb zu den Menschen in ihren Alltag. Wir wollen die Kunst als Mittel benutzen, um die Sprachlosigkeit und die Entmündigung zu überwinden, die Menschen, insbesondere Jugendliche mit Migrationshintergrund, in deutschen Großstädten erleben.

Pädagogische Konzepte

Die Jugendlichen mit denen wir überwiegend arbeiten, verstehen wir nicht als unsere `Patienten´, wir denken Sozialarbeit nicht als Therapie ‚schwieriger’Kids, sondern als Empowerment von Jugendlichen, für eine kritische gesellschaftliche Partizipation. Wir setzen auf das Potential der Menschen in sozialen Brennpunkten und glauben daran, dass sie selbst die Kraft haben ihre Situation zu verändern. Wir nehmen keine Position abgehobener Neutralität ein, sondern setzen am Standpunkt der Unterdrückten (im Sinne Boals und Freires) in der Gesellschaft an, um gemeinsam nach emanzipatorischen Lösungen zu suchen. Soziokulturelle Arbeit soll sowohl die künstlerischen Talente, als auch das kritische intellektuelle Potential der Menschen bestärken. Es geht uns primär darum, die Stimmen derjenigen zu stärken, die durch wenig politische Repräsentationsformen angesprochen werden. Durch die selbstorganisierte Arbeit in unterschiedlichen Stadtteilen bilden wir selbstbewusste MultiplikatorInnen aus, die sich den Problemen ihres sozialen Umfeldes annehmen (peer to peer education). Mit Anregungen aus der Erlebnispädagogik, der anti-rassistischen Bildungsarbeit (diversity-Pädagogik), der Menschenrechtsbildung und dem Ansatz des historischen Lernens wollen wir uns geschichtlichen und aktuellen gesellschaftlichen Problemen annehmen. Uns ist es wichtig, aus der Geschichte für die Gegenwart zu lernen und durch Kunst die Brücken dafür zu bauen. Durch den stetigen Austausch und die Vernetzung mit anderen Initiativen ermöglichen wir Wissensaneignung durch Multiperspektivität und dialektische Erkenntnisprozesse. Der gezielten Desinformation und Essentialisierung komplexer Sachverhalte und der Marginalisierung von Minderheitenstimmen setzen wir mit unseren wissenschaftlichen und pädagogischen, antirassistischen Ansätzen in der Erwachsenen- und Jugendbildung den Anspruch einer differenzierten Debatte entgegen. Diese nimmt sich gegenwärtiger Problemstellungen aus dem Blickwinkel der Marginalisierten an und versucht dabei gesellschaftspolitische Gesamtzusammenhänge im Blick zu behalten. Das Medium Theater, aber auch Film und Musik, spielen in der pädagogischen Vermittlung dafür eine wichtige Rolle.

Künstlerischer Anspruch

In unseren zahlreichen künstlerischen Produktionen beziehen wir uns demnach stets auf aktuelle und drängende gesellschaftliche Probleme. Dabei wollen wir weder im Status der bloßen Agitation ohne künstlerischen Anspruch verharren, noch einen überheblichen bildungsbürgerlichen Habitus einer elitären Kunst annehmen. Ebenso wollen wir die Erzeugung von Betroffenheit und desillusionierter Passivität vermeiden, indem wir durch satirische Mittel und populäre Formen die Menschen zum Lachen und dadurch zu engagierter Kritik und Widerstand gegen Verhältnisse von Ungleichheit anregen.

Politische Positionen

Wir halten es für unbedingt notwendig, parteiunabhängig zu agieren. Dennoch wollen und müssen wir `Partei ergreifen´. Der gleichberechtigte Blick aus der Perspektive der Marginalisierten ist u.E. ein wichtiges Mittel dafür. Wir vertreten den Anspruch einer differenzierten Debatte, die stets die Gesamtzusammenhänge und herrschenden Machtverhältnisse im Blick behält. Aus diesem Grund sind für uns die Auseinandersetzung mit aktuellen politischen Themen durch Diskussionen und öffentliche Veranstaltungen, aber auch die Vernetzung mit anderen Initiativen, Projekten und Bewegungen elementarer Bestandteil des gesamten Projektes. Antirassistische Bildungsarbeit funktioniert nicht, ohne den Anspruch, bestehende Verhältnisse von Ungleichheit, Unterdrückung und Diskriminierung zu verändern. Durch eigene wissenschaftliche Forschung, den stetigen Austausch mit öffentlichen Einrichtungen, der Zusammenarbeit mit einem vielfältigen Beirat aus VertreterInnen unterschiedlichster gesellschaftlicher Institutionen und einer begleitenden wissenschaftliche Evaluierung gestalten wir unsere Arbeit transparent und zeigen uns für den Austausch und die Aktualisierung, sowie für die kritische Betrachtung unserer Methoden und Ansätze stets offen.