2003-2005: G86B

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Das Theater G86B („They are G8 – we are 6 Billion“) hatte sich im Zuge der weltweit erwachenden globalisierungskritischen Bewegung formiert, als ein politisches Theater mit dem Anspruch, demokratisch, unterhaltsam und verständlich zu sein.

„Der legendäre Theaterinnovator Ahmed Shah“ (junge Welt, 07. Februar 2004), in Berlin lebender britischer Staatsbürger pakistanischer Herkunft, hatte nach seinem Studium der Theaterwissenschaften in Wales und ersten Produktionen in der freien Theaterszene in England die Berufung zum Berufsrevolutionär und Polit-Agitator verspürt, da man angesichts brennender Asylbewerberheime in Mölln und Lichtenhagen als Künstler in Deutschland schnell ausgebrannt ist. Anfang des 2. Jahrtausends fand er zum Theater zurück: Diesmal im Rahmen der Anti-Globalisierungswelle, die eine Verbindung von Politik und Kunst ermöglichte, ja geradezu forderte.

Er schrieb eine Antikriegstrilogie, die sich mit der aktuellen Thematik des globalen ‘Krieges gegen den Terror’ beschäftigt. Während sich «The Story of Oily Fossile / Die Geschichte von Oily Fossile» mit den ökonomischen Faktoren der Kontrolle über die Ölreserven auseinandersetzt, untersuchte er im zweiten Teil «Fugitive Television» das Verhältnis von Medien- und Kriegsmaschinerie. Mit «1001 Arabian Eyes» fand die Trilogie ihren Abschluss zum Thema Religion und Krieg.

Die Stücke wurden auf englisch und deutsch produziert und bei internationalen wie auch lokalen Veranstaltungen der globalisierungskritischen Bewegung aufgeführt (Europäisches Sozialforum Florenz 2002, Anti-NATO-Demo München Februar 2004, Europäisches Sozialforum London 2004, Wrangelkiez gegen den Krieg). Die linke Tageszeitung junge Welt druckte „Die Geschichte von Oily Fossile“ als Fortsetzungsdrama vorab.

G86B arbeiten mit dem Verfahren der «Living Newspaper Technique», die darin besteht, Stücke aus Formen und Inhalten des Medienalltags der Zuschauer zusammenzusetzen. Dabei soll nicht nur eine abstrakte Mediencollage erstellt werden, sondern durch darstellende, verzerrende und komische Kunst den trockenen Fakten einer wissenschaftlichen Abhandlung oder einem rein informativen Zeitungsartikel Anschaulichkeit verliehen werden.


Theaterstücke

The Story of Oily Fossile

Oily Fossile ist auf der Flucht, insbesondere vor Präsident Clint Eastbush und Donald Boomsfeld, die ihn mit allen Mitteln jagen. Es ist die Geschichte des ‚Schwarzen Goldes’, von seiner Entdeckung und Ausbeutung im Mittleren Osten bis hin zu den Ölkriegen des neuen Jahrhunderts. Oily nimmt die Zuschauer mit durch eine Cartoonwelt von Jägern und Gejagten. Von der Middle East Job Agency unter der Leitung des Briten Sir Percy Cox, zu Oilys Träumen von einer Flucht in das neutrale Paradies der Schweiz bis hin zu seinem Live-Auftritt in einer amerikanischen Quiz Show

Premiere: Februar 2003

Buch und Regie: Ahmed Shah

Es spielten: Joyce Sachse
Ahmed Shah
Michael Steger

Musik: K.I.Z

Ton: Börnie Königshöfer,Marco BuonfigliJanis

Dias: Julia Deeg
Bühne/
Kostüm/
Requisiten: Ursula Dietz

Fugitive TV

„Ich bin auf einer Überdosis CNN-Kriegsreportagen hängen geblieben“. Teleman

Die Beichte eines Fernseh-Junkies wird zu einer Reise durch die Welt der Medien, in Zeiten des globalen Krieges. Aus dem Bildschirmsüchtigen wird der Medienguerilla ‚Telemann’. Gemeinsam mit seiner Verbündeten, der Kommunikatorin von der Rebellengruppe ‚Fugitive Televisions’ und ‚Aisha Arabwoman’ kämpft er sich seinen Weg durch das globale Fernsehnetz frei.

„Wir sind die, die keine Empfänger mehr sein wollen“ Kommunikatorin

[einfügen: Fugi-Flyer]

Premiere: Januar 2004(?)

Buch und Regie: Ahmed Shah

Es spielten: Julia Deeg, Maxim Drüner,Christoph Mortagne, Oriana Galligaro, Ahmed Shah, Janine Soesilo

Tonaufnahmen: Sil Yan

Videoaufnahmen: Ralf

VJ: Daniel – Ak Kraak

Bühne/
Kostüm/
Requisiten: Ursula Dietz
Steph Morris

Dias: Janine Soesilo

Licht: Sophie Baruch

[Link auf: Artikel jungeWelt 15./16. Februar 2003, Nr. 39]

1001 Arabian Eyes

Mahmoud, ein Gefangener der US-Basis Guantanamo, versucht der Trostlosigkeit der Gefangenschaft zu entgehen, indem er sich träumenderweise in eine Hamburger Studenten-WG beamt. In einer Zeit von Vergangenheitsverdrängung und absolutem Geschichtsverbot reisen sie gemeinsam zurück in eine Zeit, in der schon einmal ein Krieg im Namen des Glaubens stattfand.

[einfügen: Augen-Flyer]

Deutschsprachige Uraufführung: 24.März 2005

Buch und Regie: Ahmed Shah

Es spielten: Sophie Baruch
Susanna Berivan
Maxim Drüner
Friederike Meindl
Christoph Mortagne
Robert Rating
Ahmed Shah

Sounddesign: Dorian Wunderlich
Atilio Menendez

Artwork: Ernesto Lopez Guevara

Videoinstallation: Frank Gerhard

Licht: David Grimaud

[Link auf: jungeWelt-Artikel vom 30. März 2005, Nr. 73]

Über die Grenzen hinaus

„Jede Revolution beginnt mit einem Auflauf…“
Ein bitter-vergnügliches Dokumentartheater aus dem Kochstudio mit Texten des palästinensischen Dichters Ghassan Kanafani über die Lebensrealität in den pälastinensischen Post-Oslo- „Autonomie“gebieten.

[einfügen: Foto]

Texte und Recherche: Ahmed Shah

Es spielten: Susanna Berivan
Christoph Mortagne
Nico Seifried
Ahmed Shah

Deutschland, ein Sommermärchen

Wären wir nicht eine arme kleine freie Berliner Theatergruppe müsste Söhnke Wörtmann jetzt heftige Gebühren zahlen wegen Patentklaus.
Tatsächlich entstand dieses kleine aber feine Kabarettstück lange vor Wörtmanns Kinohit nach einem sehr regenreichen Sommer 2005.

Karl Schröder, ehemaliger Beschäftigter in der Kindl-Brauerei und nun arbeitslos, hat nicht viel Freude im Leben: Seinen Job ist er los, seine Frau Angie sieht er kaum noch zwischen deren Endlosüberstunden bei Lidl und sein Sohn Maiky, ein erfolgsorientierter urbaner Penner, schraubt lieber an seinem Laptop herum als ihm zu helfen. Einziges Glück verspricht ihm sein Schrebergarten, glücksseliger Hort des Feierabends. Doch die einstige Laubenpieperharmonie entpuppt sich als ein einziges Tollhaus: der Rasenmäher verwandelt sich in eine automatische Wahlkampfmaschine, der angrenzende Golfclub der Neureichen droht sich auszuweiten und schließlich bekommt er auch noch Besuch von den Barmhartzigen: Agent 2010 mit der Lizenz zum Kürzen….
Die Situation scheint ausweglos – doch dann bekommt er unerwartet Hilfe von Daisy, einem klassenbewussten Mini-Kampfhund…

Premiere: Sommer 2005

Buch und Regie: Ahmed Shah

Es spielten: Frank Gerhard/ Angie Mandolini / Susanna Berivan/ Christoph Mortagne/Robert Rating/Ahmed Shah

Licht/Ton: Dorian Wunderlich

Kostüme/
Requisiten: Ensemble