Tag der Arbeit 2011

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S.K.E.T. – Rückblick und Statement

Der erste Mai: Tag der Arbeit, Tag der Arbeiter, Tag der Diskussionen zur Arbeit; ein guter Tag für unsere Arbeit.

Im Rahmen der Veranstaltungen zum ersten Mai haben wir uns als Gruppe entschlossen, einige Auszüge aus unserem gegenwärtigen Repertoire denjenigen Gesellschaftsmitgliedern zu zeigen, deren Meinung kaum gehört aber umso wichtiger ist. Die arbeitenden Mitmenschen, denn um sie soll es gehen, gerade aber nicht nur an ihrem Tag. Wir haben deshalb am Rande der Gewerkschaftsdemo zwei kurze Szenen aufgeführt in der Nähe des Brandenburger Tors. In der ersten wurde nonverbal die Abhängigkeit unserer Gesellschaft von wirtschaftlichen Kursentwicklungen gezeigt. Ein Mitglied unserer Gruppe hatte sich bereit erklärt, die schwierige Rolle des Aktienhändlers auszufüllen. Er zeichnete eine Kurve, die anderen Gruppenmitglieder reagierten körperlich auf die sich abzeichnende Aktienentwicklung, die umstehenden
Demonstrationsteilnehmer schauten zu und auf. Unsere gegenwärtige Gesellschaft ist abhängig von Kursentwicklungen ohne hierbei Einfluss auf den Kurs nehmen zu können. Nicht zuletzt die Krise 2008 hat die Gefahren hiervon verdeutlicht. Reaktionen der gesellschaftlichen Interessenvertreter werden erwartet aber kaum angeboten. Wir haben ein Angebot gemacht, die passiven Menschen haben sich erhoben und sich dem wirtschaftlichen Kurs entgegengestellt. Das ist nicht die Lösung, aber es ist ein Weg das Problem und die Lösungssuche anzuregen.

Die Arbeiter haben das verstanden.

Im zweiten Teil wurde mithilfe der Methode des Sprechgesangs, die Senatskampagne ‚Be-Berlin‘ reflektiert. Berlin ist schön und offen und plural und kreativ und eine Menge mehr. Doch Berlin ist kein Symbol und keine Ikone, Berlin ist ein sozialer Brennpunkt, heterogen, kompliziert und gefährlich. Eine Werbekampagne, die idealisiert und einheitlich präsentiert und so auch Homogenisierungsdruck aufbaut, soll unserer Meinung nach nicht unwidersprochen bleiben. Berlin ist Bordstein, Berlin ist Kante, Berlin ist Bordsteinkante. Berlin ist Haft, Berlin ist Abschiebung, Berlin ist Abschiebehaft. Berlin ist Kunst, Berlin ist Kommerzialisierung, Berlin ist Kunstkommerzialisierung. Berlin ist Gentrifizierungspatient, Berlin ist intransparente Privatisierung, Berlin ist Media Spree. Wir sind kein Standort sondern eine Stadt und wir sind auch nicht alles Künstler, sondern wir sind auch Arbeiter und Arbeitslose, Eltern und Studenten, Kinder und Kindgebliebene, Politische und Unpolitische, Berliner und Nicht-Berliner. Wir sind eine konfliktbeladene soziale Einheit und wir sind nicht bereit uns reduzieren zu lassen auf marktgerechte Attributzuschreibungen. Darauf haben wir keinen Bock und darauf haben die Besucher der 1. Mai Feierlichkeiten auch keinen Bock.

Die Arbeiter haben auch das verstanden.

Und um nicht eine Arbeiterüberhöhung zu schaffen haben wir unsere Szenen auch im Rahmen des MyFestes präsentiert. Die Stadt das sind wir alle, die Entscheidungen gehören uns allen. Wir hoffen hieran erinnert zu haben. Und für die Diskussionen, Reaktionen und Ovationen…

Dafür: Danke Berlin!