Verwirrung auf der Deutschen Islamkonferenz

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Das Netzwerk gegen Islamophobie und Rassismus Leipzig war in diesem Jahr (2012) auf der Deutschen Islamkonferenz (DIK) vertreten. Thema der Veranstaltung in Berlin mit ca. 100 Teilnehmenden war „Muslimfeindlichkeit“.

Diskussion auf der Deutschen Islamkonferenz

© Dirk Enters / Deutsche Islam Konferenz

Professor Dr. Andreas Zick stellte Ergebnisse der bekannten repräsentativen Bielefelder Studie dar. Demzufolge sind 46 % der deutschen Bevölkerung der Meinung, in Deutschland lebten zu viele Muslime. Dass Staatssekretär Klaus Dieter Fritsche angesichts solcher Zahlen von Muslimfeindlichkeit als Extremismus sprach, ist bedauerlich.¹

Zur DIK waren zahlreiche heterogene, interessante und renommierte WissenschaftlerInnen, PädagogInnen und religiöse Persönlichkeiten geladen. Die Panels befassten sich mit Muslimfeindlichkeit in der breiten Bevölkerung, in islamfeindlichen rassistischen Internetportalen und als Einstiegsrassismus von Nazis. Im letzten Panel wurden Projekte der Jugendarbeit vorgestellt. Die meisten dieser Projekte leisten hervorragende Arbeit. Allerdings waren sie auf einer Konferenz zum Thema „Muslimfeindlichkeit“ völlig deplaziert. Die Mehrheit der Projekte befasste sich ausgerechnet mit menschenverachtenden Einstellungen von muslimischen Jugendlichen und mit Islamismus-Prävention.² Es ist aber zu bezweifeln, dass solche Jugendlichen diejenigen Menschen unserer Gesellschaft sind, die besonders muslimfeindlich denken und handeln. Die Gedankenkette, die dieser Fehlplanung und mehrerer Redebeiträge auf der DIK zugrunde liegt, lautet:. Aber: Muslimfeindlichkeit hat nichts mit dem Islam zu tun. Kein Rassismus ist die Schuld der Diskriminierten. RassistInnen sind schuld an Rassismus. Nicht menschenverachtende Einstellungen von MuslimInnen sind die Ursache für Muslimfeindlichkeit. Sondern die Vorstellung, dass menschenverachtende Einstellungen von MuslimInnen

1. grundsätzlich verschieden von den menschenverachtenden Einstellungen aller anderen Menschen dieser Gesellschaft und

2. nicht das Problem unserer Gesellschaft, sondern das Problem von Fremden seien.

Kurz: Muslimfeindschaft ist verantwortlich für Muslimfeindschaft. Nicht muslimische Jugendliche.

¹Natürlich ist die Extremismus-Theorie aus Perspektive der Rassismus-Forschung insgesamt bedauerlich. Damit wird Rassismus nicht analysiert, sondern zu einem Randgruppen-Problem gemacht.

²Die Projekte hätten also zum Beispiel gut zu den Veranstaltungen der DIK zu Islamismus gepasst.